Love between Life and Darkness

Die letzten Sonnenstrahlen kämpfen sich ihren Weg durch die Blätter des Baumes, um die junge Frau darunter zu wärmen. Ihre Augen sind geschlossen und sie genießt die Stille der Natur. Man hört nur das leichte Rascheln des Windes in den Blättern, ab und zu meldet sich auch ein Vogel zu Wort. Das linke Ohr der Frau zickt leicht, als sie hört, wie Blätter zur Seite geschoben werden. Jemand hat den Garten betreten und stört den Schlaf der jungen Frau. Dennoch weiß sie, dass von der besagten Person keine Gefahr ausgeht, daher lässt sie ihre Augen geschlossen. Der junge Mann, welcher sich seinen Weg vorbei an dem kleinen See und den vielen Sträuchern bahnt, hat immer noch die Hoffnung, die Frau nicht zu wecken. Er weiß noch nicht, dass sie bereits weiß, dass er sich ihr nährt. Als er endlich die kleine Lichtung erreicht, liegt sie noch immer mit geschlossenen Augen unter dem Baum, scheinbar schlafend. Er bleibt stehen und betrachtet sie von der anderen Seite aus. Sein Blick streift über ihre sandfarbenen, aufrechten, mit fellüberzogenen Ohren, weiter über ihr schwarzes, gewelltes Haar. Ihre goldbraune Haut scheint Sinnengenüssen. Ihre fast schon fuchsartigen Gesichtszüge wirken friedlich und ruhig, nicht davon gibt preis, dass sie genau das Gegenteil verkörpert. Ihre schmalen, leicht nach oben gerichteten Augen sind noch immer geschlossen und geben die Farbe, welche sich dahinter verbergen nicht Preis. Doch der junge Mann weiß, welche Farbe die ihm bekannten Augen haben, als er sie zum ersten Mal sah, war er sich sicher, sie seien aus flüssigem Gold. Sein Blick schweift weiter über den ruhenden Körper der Frau. Ein Lächeln bildet sich auf seinem Gesicht, als er merkt, wie die 3 Schweife der jungen Frau sich leicht im Schlaf bewegen.

Er macht sich leise auf den Weg, um die junge Frau zu wecken, noch immer Unwissen, das seine Anwesenheit bereits wahrgenommen wurde. Neben ihr angekommen geht er auf die Knie und beugt sich leicht über sie. Gerade als er die letzte Instanz zwischen ihnen überbrücken will, spürt er plötzlich etwas Weiches an seinem rechten Arm. Auf den Lippen der Frau hatte sich mittlerweile ein leichtes Lächeln gebildet. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit hatte ihr gereicht, um ihren plan in die Tat umzusetzen. Mit einem ihrer drei schweife hatte sie den Arm des Mannes umschlungen und kann diesen nun mit einem kleinen Ruck wegziehen, wodurch der junge Mann sein Gleichgewicht verliert und mit dem Gesicht voran auf den mit grasbedecktem Boden stürzt. Der Schreck sitzt ihm noch deutlich in den Knochen, als er sich wieder aufrichtet und der jetzt lachenden Frau einen finsteren Blick zuwirft, doch er kann ihr nicht wirklich böse sein. Mittlerweile weiß er von ihren „Späßen“ und hätte es besser wissen sollen. „Kannst du jetzt aufhören, mich auszulachen?“, fragt er und setzt sich neben sie an den Baum. „Ich kann nicht dafür, wenn du jedes Mal darauf hereinfällst.“, entgegnet sie ihm noch immer lachend. Nachdem sie sich schließlich beruhigt hat, setzt auch sie sich auf und an seine Seite. Sie streicht ihre Haare und Kleidung glatt, welche vom Schlaf leicht verknittert und durcheinander waren. „Ich weiß, dass ich es besser wissen sollte, aber ich muss mich noch immer daran gewöhnen, dass deine Sinne weitaus schärfer sind als die eines sterblichen Lebewesens.“, erklärt er ihr leise. Er weiß das es nicht besser wird, auch wenn er versucht, sich zu erklären, aber genau das ist ein Punkt, warum die junge Frau ihn so liebenswert findet.

Früher hätte sie diese Naivität der sterblichen noch gestört, das tut sie auch heute noch, aber bei ihm, diesem jungen Mann, vermittelt dies ein anderes Gefühl. Er war in ihren Augen besonders, sie fühlte sich meistens nicht wohl unter sterblichen - gut, sie fühlte sich in der Gegenwart der anderen Götter auch nicht wohl, aber das hatte andere Gründe. „Manchmal beneide ich dich.“ Sprach sie nun, mit ihren Gedanken scheinbar in einer anderen Zeit. Er wollte ihr antworten und fragen, inwieweit er beneidenswert war, aber da hatte sie schon weitergesprochen. „Wir schätzen die Zeit nicht so wie ihr. Wir sagen uns mit allem, was wir tun, dass es ja noch später getan werden kann. Ich meine, wir haben die Unendlichkeit, was viele gerne erreichen würden, aber es führt auch dazu, dass wir Dinge nicht mehr so Schätzen wie wir es vielleicht sollten.“ Unter anderen Umständen hätte er ihr vielleicht widersprochen, doch er wusste, dass sie damit auch einen anderen Punkt ansprach, der bisher zwischen ihnen noch unausgesprochen blieb. Er war sterblich und würde in einigen Jahren verschwinden, während sie so weiterleben würde wie bisher. Zumindest so weit wie ihr leben, ohne ihn weitergehen würde. Den auch wenn sie das Erscheinungsbild einer 20-Jährigen hatte, war Cali bereits über mehrere Millionen Jahre alt, immerhin ist sie die Schutzgöttin dieser kleinen Lichtung. Er selbst hingegen ist zwar auch einige Hunderte Jahre alt, dennoch wird sein Leben irgendwann zu Ende sein. Danach redeten die beiden nicht mehr, sie waren beide in ihren Gedanken vertieft. Irgendwann hatte Cali sich an ihn gelehnt und die Augen geschlossen. Während sie eingeschlafen war, hält er sie und schaut in den Himmel, welcher von der Sonne in warme, glühende Orangetöne getaucht wird.

Beginning...

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